Zwei ehemalige Zwangsrekrutierte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählen den Schülern des Lycée Michel Lucius ihre Geschichte

 Luxemburg, Lycée Michel Lucius: Herr Marcel Goniva und Herr René Englebert, beide Jahrgang 1926, warfen am 3. Dezember 2015 einen Blick in ihre Vergangenheit als ehemalige Soldaten im Zweiten Weltkrieg und teilten ihre  Erlebnisse aus dieser finsteren Zeit mit den Schülern des Lycée Michel Lucius.

Die beiden Herren waren 14 Jahre alt, als die deutsche Armee in Luxemburg einmarschierte. Nach der Besatzung wurde vieles in Luxemburg geändert: In der Schule wurde zum Beispiel kein Französisch mehr unterrichtet und der Hitlergruß wurde eingeführt.

Mit 17 Jahren wurden die beiden Herren zwangsrekrutiert und mussten an die Front, ohne Schulabschluss und ohne das Erwachsenenalter erreicht zu haben. Die Dinge, die sie an der Front erlebten, lassen sie auch im Alter von fast 90 Jahren noch immer nicht ganz los.

An der Front herrschten teilweise minus 30 Grad. Viele Soldaten trugen nur Sommeruniformen, was besonders in der Nacht zum Problem wurde. Um in der Nacht nicht zu erfrieren, legten sich die Soldaten übereinander und wärmten sich so gegenseitig. Am Tag kämpften sie um ihr Überleben an der Front. Die Soldaten lebten in ständiger Angst, sie hatten kaum noch Hoffnung, es wurde ihnen befohlen in den Krieg zu ziehen und als „Held“ zurückzukommen. Aber der Kriegsalltag war anders. Das Kämpfen an der Front war nicht heldenhaft: Es gab kein Mitleid und an manchen Tagen war es so schlimm, dass man sich den Tod als Erlösung herbeisehnte. Die meisten Soldaten überlebten den Krieg nicht aus dem Grund, weil sie besonders gut kämpfen konnten, sondern aus purem Zufall

Obwohl es den luxemburgischen Zwangsrekrutierten an der Front verboten war, mit der polnischen Bevölkerung zu sprechen, entstand trotzdem Kontakt und man half sich gelegentlich. Dies zeigt, dass Werte wie Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit auch in Zeiten des Krieges vorhanden sind und Menschen zu jeder Zeit, auch unter schlimmsten Bedingungen, friedlich miteinander leben könnten.

Wir, die Schüler der 8TE4 aus dem Lycée Michel Lucius, möchten uns bei Herrn Goniva und Herrn Englebert noch einmal ganz herzlich für diese interessanten Einblicke in diese schlimme Zeit bedanken! Es bedeutet uns viel, Menschen zu begegnen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben und ihre Erlebnisse mit uns teilen. Wir sind tief berührt von ihren Geschichten und als die heutige junge Generation sind wir sehr dankbar, dass wir im Frieden leben können. Wir glauben an eine bessere Zukunft und hoffen, dass die Menschheit aus ihren Fehlern lernen wird.

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